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25.04.2017 - Wie harmoniebedürftig sind Sie als Chef? So zeigen Sie klare Kante

Klare Ansagen werden akzeptiert, wenn Sie Orientierung bringen.

Träumen Sie davon, in einem gut funktionierenden Team zu arbeiten? Alle sind engagiert, wissen, welche Aufgaben zu erledigen sind, halten ihre Termine, erzeugen hohe Qualität, die Stimmung ist freundschaftlich, fast familiär. So oder so ähnlich stellen sich viele gute Arbeit und ein gutes Arbeitsumfeld vor. Doch die Realität sieht anders aus. Und genau hier sind Sie als Chef gefordert.

Ihr Führungsinstrument sind Gespräche

Leitung setzt da ein, wo Abweichungen entstehen. Wo Termine nicht gehalten werden, die Qualität nicht mehr stimmt, das Arbeitsklima leidet. Hier gilt es gegenzusteuern. Ihr Führungsinstrument sind Gespräche. Gespräche die motivieren, die konkretisieren aber auch die kritisieren.

Im Vier-Augen-Gespräch äußern Führungskräfte mir gegenüber immer wieder die Angst, „Wenn ich was sage, dann bringen mir die Mitarbeiter morgen den gelben Schein.“ Ja, solche Fälle mag es geben. Aber wenn die Mitarbeiter zu diesem Mittel greifen, sind die Probleme meist vielschichtiger, gravierender und schon über einen längeren Zeitraum vorhanden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Mitarbeiter gute Leistung erbringen wollen. Mit Kritik und Entscheidungen, die fair und gerecht sind, können sie gut umgehen. Klare Ansagen werden akzeptiert, wenn sie Orientierung bieten.

Versuchen Sie als Chef der Kumpel-Typ zu sein?

Natürlich ist es angenehmer zu loben als zu kritisieren. Aber genau dazu sind Sie Vorgesetzter. Führen bedeutet, eine Beziehung zu den Mitarbeitern aufzubauen, damit sie Ihnen folgen. Ich beobachte zwei Phänomene bei Führungskräften. Entweder haben sie eine zu enge, kumpelhafte Art miteinander umzugehen oder es herrscht ein innerer Abstand. Es ist das Dilemma zwischen nicht ausgeloteter Nähe und Distanz.

Die enge, kumpelhafte Art der Zusammenarbeit kommt meist aus der Situation heraus, vorher Kollege gewesen und nun Vorgesetzter zu sein. Die eigene Rolle – mehr Distanz aufzubauen – ist ein Entwicklungsprozess. Für mich hat das was mit Abgrenzung, Trennung und sogar ein wenig mit Trauer zu tun. Der Abschied von Nähe wird als sehr unangenehm empfunden. Deshalb werden schneller Zugeständnisse gemacht, die bei einer klaren Führungsposition nicht vorkommen würden.

Werden Sie aktiv und lassen Sie es nicht einfach laufen

Meine Beobachtung ist: Chefs mit einer hohen Distanz und starken Präsenz passiert das nicht. Im Gegenteil. Bei Ihnen herrscht Strenge und Ordnung. Ausnahmen werden zu selten zugelassen. Aber wenn eine distanzierte Führungskraft innerlich ein hohes Harmoniebedürfnis besitzt, bleibt ihre klare Ansage aus. Sie hofft, es wird sich schon von selber regeln. Ihre Befürchtung ist, „Wenn ich jetzt noch was sage, eskaliert die Situation erst recht.“ Sie unternimmt lieber nichts, lässt es laufen.  

Klare Kante zeigen, ist also nicht eine Frage der Rhetorik, sondern eine Frage der inneren Einstellung und der Beziehung zu den Mitarbeitern. Je klarer Ihre Position ist, desto klarer sind Ihre Aussagen. Schaffen Sie eine gute Balance zwischen Nähe und Distanz. Machen Sie Ihr Anforderungen an Qualität, Quantität, Termintreue, Regelbewusstsein usw. in Ihren Gesprächen immer wieder deutlich. Mitarbeiter schätzen Entschlossenheit und Zielsicherheit. Sie sind loyal und kritikfähig, wenn Sie ihnen mit Fairness begegnen.

Ich wünsche Ihnen Mut zur klaren Kante – Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken.  

Silke Heuwerth
Ihre Problemlöserin in Führungsfragen